Rückblick Teil 2

Veronika Bond Der Horizont Leave a Comment

‘Der Horizont’, Teil 2, Zusammenfassung: die 5 Wachstumsstufen des menschlichen Bewusstseins und alles, was wir in Teil 2 dieses Buches gelernt haben

 

Den Schritt zum Menschen machte keiner von ihnen.Jean Gebser

“Da sind jene, die um das 21. Lebensjahr die Ablösung von den Eltern nicht richtig zu vollziehen vermochten. Oder jene anderen, die es nicht schafften, um das 35. Lebensjahr ihre Stellung in der Welt aus eigener Kraft zu erringen, oder jene, die um das 49. Jahr ihr Werk nicht geleistet haben und es nicht lernten, weiter, als nur auf ihr ich zu sehen. Die einen blieben ewige Kinder, die anderen ewige Jünglinge, die anderen ewige Männer. Den Schritt zum Menschen machte keiner von ihnen. Sie reiften nicht, sie blieben stecken, denn sie übersprangen die entscheidenden Jahre.”

Diese Worte stammen von Jean Gebser aus einem Vortrag, den er 1958 gehalten hat. Der deutsche Philosoph bezieht sich hier auf die Entwicklungsstadien des menschlichen Bewusstseins, die er in seinem Lebenswerk Ursprung und Gegenwart erforscht hat. Wir haben diese Stadien in Kapitel 11 kennengelernt

In diesem Vortrag mit dem Titel Über die Erfahrung spricht er nicht über die kollektiven Bewusstseinsperioden, sondern er erwähnt, was geschieht, wenn wir es nicht schaffen, aus den eigenen Erfahrungen zu lernen.

Laut Jean Gebser enthält die persönliche Erfahrung jedes Menschen lebenswichtige Informationen. Durch tiefere Einsichten in unsere Erfahrung können wir nicht nur Neues lernen, sondern wir können auch echte Weisheit ernten. Durch die Gewinnung persönlicher Weisheit aus dem eigenen Erleben, reift in uns der integrale Zustand, der zu Recht den Namen ‘Mensch’ verdient.

Im zweiten Teil dieses Buches haben wir einige grundlegende Aspekte dieses Prozesses der Reifung näher betrachtet.

 

Das neunte Kapitel — Biosophie — begann mit einem kleinen Test zum Begriff ‘Biosophie’. Wir haben u.a. gelernt, dass der Begriff Biosophie von dem Schweizer Philosophen und Politiker Ignaz P.V. Troxler geprägt wurde. Das Wort Biosophie bedeutet buchstäblich Weisheit des Lebens.

Im Zusammenhang mit dem Solo System haben wir Biosophie folgendermaßen definiert: Biosophie ist die Umwandlung persönlicher Erfahrungen aus dem Alltagsleben in Weisheit.

Da es in diesem Kapitel ums Lernen ging, haben wir zunächst drei Schulkinder kennengelernt. Die erste Schülerin war das pakistanische Mädchen Malala Yousafzai. Sie wurde auf dem Heimweg von der Schule in den Kopf geschossen, weil sie das Schulverbot des Talibans für Mädchen ignorierte.

Der zweite Schüler war der deutsche Junge Tilmann Holsten. Er weigerte sich zur Schule zu gehen und war das erste schulpflichtige Kind in Deutschland, das in einem Rechtsstreit wegen Schulverweigerung gewonnen hat.

Das dritte ‘Schulkind’ war Antonin Stern, der französische Junge, der nicht zur Schule gehen muss, sondern frei lernen kann was, wann und wie er es will.

Dann sind wir Günther Dohmen begegnet, dem deutschen Professor für Erwachsenenbildung und Forscher für informelle Formen des Lernens.

Schließlich haben wir etwas über die 2 fatalsten Ergebnisse der formalen Erziehung erfahren:

1. — Wir entwickeln einen Widerstand dagegen, Neues zu lernen.

2. — Wir verlieren das Vertrauen in uns selbst.

 

Im zehnten Kapitel — Leiden, Schöpfen, Heilen — ging es um den Zusammenhang zwischen Biosophie einerseits und Leiden, Schöpfen und Heilen andererseits.

Wir sind Kris Carr begegnet, der Amerikanerin,  die im Alter von 31 eine Krebsdiagnose erhielt und die Krankheit zu ihrem ‘Guru’ machte.

Dann haben wir Dominik Polonski kennengelernt, den polnischen Cellisten, der als junger Mann einen Hirntumor entwickelte, nach einer Reihe von Operationen gelähmt war und mit Hilfe seines Therapeuten, Martin Busch, seinen persönlichen Weg zur Genesung fand.

Wir haben die Heilungsprozesse von Kris Carr und Dominik Polonski aus der Perspektive des biosophischen Lernens betrachtet. Von Martin Busch haben wir gelernt, wie wichtig es ist, das Gehirn gesund zu halten. Dasselbe trifft natürlich auch auf unser Bewusstsein zu, welches die Grundlage für einen gesunden Körper und Geist bildet.

In diesem Kapitel wurde außerdem das Solo System als biosophisches Modell des menschlichen Bewusstseins vorgestellt. Dieser Überblick zeigt die 8 Bewusstseinsorgane des individuellen Bewusstseins. Daraus lässt sich erahnen, dass Lernen nicht bloß eine vom Willen gesteuerte Tätigkeit ist, sondern dass unser Bewusstsein Informationen weitgehend autonom und ‘unbewusst’ aufnimmt.

 

Das elfte Kapitel — 5 Bewusstseinsperioden — bietet einen Überblick über die 5 Entwicklungsstadien des Bewusstseins nach Jean Gebsers Modell der Menschheitsgeschichte. Er nannte diese 5 Stufen ‘Bewusstseinsstrukturen’.

Die 5 Strukturen beziehen sich auf das kollektive menschliche Bewusstsein. Uns interessiert hier insbesondere, wie wir diese Stadien als Einzelmenschen im Alltag erleben.

Hier ist eine Zusammenfassung der Parallelen zwischen den kollektiven Strukturen und dem persönlichen Erleben:

Archaisches Bewusstsein — Die erste Bewusstseinsstruktur beschreibt den Ursprung der Menschheit, den sogenannten ‘primitiven Menschen’. Das individuelle menschliche Bewusstsein erlebt die archaische Struktur während seiner Entwicklung in der Gebärmutter und im ersten Jahr nach der Geburt. Wir haben diese Phase embryonales Bewusstsein genannt.

Magisches Bewusstsein —In der zweiten Struktur fingen die Menschen an, Gegenstände herzustellen, die Welt zu erforschen, und die Natur mittels Zauber und Magie zu kontrollieren. Wir durchleben die magische Periode während der Kindheit. Darum nennen wir diese Phase kindliches Bewusstsein.

Mythisches Bewusstsein — In der dritten Struktur nahm die Menschheit die Existenz der Innenwelt wahr, und begann eigene innere Wahrnehmungen auf die Außenwelt zu projizieren. Diese Periode entspricht der Zeit zwischen Pubertät und Erwachsenenalter. Daher beschreiben wir diese Phase als jugendliches Bewusstsein.

Mentales Bewusstsein — Die vierte ‘Mutation’ des Bewusstseins ist die mentale Struktur. Der mentale Mensch wurde sich seiner Umwelt bewusst. Er entdeckte eine kosmische und soziale Ordnung und erstellte eigene Gesetze. Wir treten als Erwachsene in die mentale Struktur ein, darum nennen wir diese Phase erwachsenes Bewusstsein.

Integrales Bewusstsein — Laut Jean Gebser befinden wir uns gegenwärtig wieder in einem strukturellen Bewusstseinswandel. Dieser muss in die sogenannte integrale Struktur führen; die einzige Alternative wäre ein völliger Zerfall und darum eine Selbstzerstörung der Menschheit. Diese 5. Periode lässt sich nicht automatisch erreichen, sondern wir müssen unser eigenes Bewusstsein in seiner Entwicklung unterstützen. Wir bezeichnen diese Phase als reifes Bewusstsein.

 

Das zwölfte Kapitel — Bewusstsein im Paradies — beschreibt das Erlebnis des embryonalen Bewusstseins.

In diesem Kapitel sind wir Franz Renggli begegnet, dem pränatalen Therapeuten aus Basel. Mit dem 14 Monate alten Sebastian und seinen Eltern hat er uns einen kleinen Einblick in seine therapeutische Praxis gewährt. Hier durften wir die erstaunliche Heilung einer Störung in einem Kind miterleben, indem sich der Therapeut mit den Eltern unterhielt.

Außerdem wurde Erich Neumann vorgestellt, ein Student von Carl Gustav Jung, der sich auf die Arbeit mit Kindern spezialisiert hat. Er entdeckte, dass uns eine bestimmte Einstellung gegenüber uns selbst und unserer Rolle in der Gesellschaft bereits während der Entwicklung in der Gebärmutter und in der frühen Kindheit sozusagen in die Wiege gelegt wird.

Jean Gebser erinnerte uns daran, dass alle Lebewesen unweigerlich mit der ursprünglichen Struktur des unendlichen Bewusstseins verbunden bleiben, welches in einem Zustand der ‘ewigen Gegenwart’ existiert. Laut Jean Gebser besteht unsere Lebensaufgabe darin, die Informationen aus diesen beiden Quellen — dem ewigen Bewusstsein und dem gesellschaftlichen Bewusstsein — miteinander in Einklang zu bringen.

Schließlich entdeckten wir, dass jede Bewusstseinsperiode ein besonderes Werkzeug für uns bereit hält, das uns dabei helfen kann, unsere Erfahrungen zu integrieren. Das Werkzeug der embryonalen Periode heißt Erwachen.

 

Im dreizehnten Kapitel — Bewusstsein im Zauberreich — haben wir das kindliche Bewusstsein näher betrachtet.

Hier haben wir André Stern wiedergetroffen, den Vater von Antonin aus dem 9. Kapitel. André Stern ist ein französischer Gitarrenbauer, Gitarrist und Journalist, und er hatte eine ‘märchenhafte’ Kindheit.

Seine Eltern haben ihn nie in die Schule geschickt. Er konnte lernen, was er wollte, wann er wollte, und auf welche Weise es ihm entsprach. Seine Hauptmethode zum Lernen war das Spielen.

In diesem Kapitel weist Erich Neumann auf die Bedeutung des Spielens für Kinder und für Erwachsene hin. Er sagte: “Die Spielwelt ist auch für den erwachsenen Menschen aller Kulturen eine entscheidend wichtige und nicht eine ‘zu überwindende’ Welt; für das Kind aber gilt dies im ganz besonderen Maße. Nur ein in diese symbolische Wirklichkeit eingebettetes Dasein kann sich zu einer vollen Menschlichkeit entwickeln.”

Außerdem sind wir Diana Spencer begegnet, einer bekannten Engländerin, die in eine aristokratische Familie hineingeboren wurde. Sie hatte alles, was allgemein mit einer ‘märchenhaften Kindheit’ verbunden wird, doch ihre Geschichte war tragisch, insbesondere das unglückliche Ende.

In diesem Ausflug durch das kindliche Bewusstsein haben wir 4 Dinge identifiziert, die für die gesunde Entwicklung des Kindes ganz wesentlich sind:

1 — Wir müssen unser ‘wahres Selbst’ entwickeln.

2 — Wir brauchen das Spiel, denn es stimuliert unsere Kreativität, und es ist wichtig zum Lernen.

3 — Wir müssen bedingungslose, klarsichtige und offenherzige Liebe erleben.

4 — Wir brauchen Schutz und Unterstützung.

Das besondere Werkzeug zur Integration von Erfahrung in der kindlichen Periode heißt Erkenntnis.

 

Im vierzehnten Kapitel — Auf der Heldenreise — sind wir in die Höhen und Tiefen des jugendlichen Bewusstseins eingetaucht.

Hier haben wir Emma Watson kennengelernt, die englische Schauspielerin, die durch die Rolle der Hermione in den Harry Potter Filmen berühmt geworden ist. Emma Watson war bereits als Jugendliche eine bekannte Persönlichkeit, und das zwang sie dazu, schnell ‘erwachsen’ zu werden

Außerdem haben wir Alexander Huber getroffen, einen legendären Bergsteiger aus Bayern, der als junger Teenager seine Liebe zu den Bergen entdeckte.

Eine der großen Herausforderungen der jugendlichen Periode besteht darin, herauszufinden, was unsere Gaben sind. Emma Watson und Alexander Huber erhielten im zarten Alter von 9 Jahren den ersten ‘Ruf zum Abenteuer’, und als sie in das jugendliche Bewusstsein eintraten, waren sie bereits auf ihrer Heldenreise.

In den folgenden Abschnitten dieses Kapitels haben wir einige der ‘heroischen Aufgaben’ untersucht, die sich bei diesem mythischen Abenteuer stellen. Wir wollten herausfinden, wie diese Aufgaben im ganz normalen Alltagsleben aussehen könnten.

Das besondere Werkzeug zur Integration von Erfahrung in der jugendlichen Periode heißt Verantwortung.

 

Das fünfzehnte Kapitel — In der Schule des Lebens — war dem erwachsenen Bewusstsein gewidmet.

Zum Auftakt dieses Kapitels hatten wir eine Begegnung mit dem Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung, nicht in seiner beruflichen Rolle als eminenter Psychoanalytiker, sondern auf einer persönlicheren Ebene. In seiner Autobiographie, Erinnerungen, Träume, Gedanken teilt er mit, wie er den Wert der Schattenseite des menschlichen Bewusstseins entdeckt hat und von welchen Erlebnissen er sich bei seinen Entdeckungen hat führen lassen.

Anschließend haben wir die amerikanische Buddhistin Tsultrim Allione kennengelernt, die im Alter von 19 Jahren nach Kalkutta gereist ist, als erste Amerikanerin eine buddhistische Nonne wurde und später für eine ‘Emanation’ der buddhistischen Heiligen Machig Labdron gehalten wurde.

Wir haben einige Parallelen zwischen C.G. Jungs Arbeit mit der Schattenseite des menschlichen Bewusstseins und Tsultrim Alliones Chöd Übung entdeckt, die sie als ‘Füttern der Dämonen’ bezeichnet.

Die Schatten und Dämonen sind in der erwachsenen Periode besonders relevant, denn in dieser Phase werden wir mit den eigenen verdrängten Themen konfrontiert, die uns in der Außenwelt in Form von Krisen, Schwierigkeiten und Hindernissen aller Art begegnen.

Das besondere Werkzeug, das uns mit unseren Lektionen und Prüfungen in der erwachsenen Periode helfen kann heißt Akzeptanz.

Am Ende dieses Kapitels haben wir noch abgeklärt, was wahre Akzeptanz bedeutet. Es hat nichts damit zu tun, dass man sich mit inakzeptablen Situationen abfindet.

 

Das zentrale Thema des sechzehnten Kapitels — Um den Heiligen Berg — ist das reife Bewusstsein.

In diesem Kapitel sind wir kurz der Schweizer Psychologin Verena Kast, dem deutsch-französischen Begründer des Malorts, Arno Stern, der australischen Tänzerin und Choreographin Eileen Kramer und dem englischen Musiker und Filmemacher Jamie Catto begegnet.

Wir haben die relativ unbekannte und unbeachtete Landschaft des reifen Bewusstsein erkundet und dabei festgestellt, dass ‘Älterentum’ nicht unbedingt vom Alter abhängig ist.

Reifes Bewusstsein steht in Bezug zur Integration unserer Erfahrungen, insbesondere der negativen und schmerzhaften Erlebnisse. Es bietet eine einzigartige Gelegenheit, innere Konflikte zu überwinden.

Hier haben wir erfahren, dass man über die reife Phase die Dimension der Zeitlosigkeit betreten kann. Wir haben entdeckt dass zwischen negativen Erlebnissen und schlummerndem Potential eine verborgene Verbindung besteht. Außerdem sind wir auf die Bedeutung der sogenannten sensiblen Phasen aufmerksam geworden, welche immer eine Einladung zum Wachstum des Bewusstseins sind.

Dieses letzte Kapitel von Teil 2 enthält einen Überblick über negative Ereignisse im Alltag in Bezug auf die vier Bewusstseinsphasen: embryonal, kindlich, jugendlich und erwachsen. Diese Liste kann hilfreich sein, um die entsprechenden Perioden im eigenen täglichen Erleben zu erkennen.

Am Ende wurde die komplexe Beziehung zwischen den Prozessen der Heilung und der Schöpfung deutlich, und wir wurden noch einmal daran erinnert, dass beide dem Wachstum des menschlichen Bewusstseins dienen.

 

Wie können wir an diesen Prozessen teilhaben, obgleich es so aussieht, als seien sie weitgehend autonom?

Woran können wir diese sensiblen Phasen im Alltagsleben erkennen, und wie geht man am besten mit ihnen um?

Wie können wir für unser Wachstum Verantwortung übernehmen und damit unseren Teil zur Förderung der Evolution in das integrale Bewusstsein leisten?

Der dritte Teil dieses Buches enthält eine Auswahl heilender Impulse, welche das Werk der Heilung und Schöpfung anregen können.

 

© Veronika Bond, 2017

Dieser Artikel ist ein Entwurf der Zusammenfassung von Teil 2 des Buches Der Horizont, Band 2 des Solosystems.

Zur Ergänzung gibt es einen e-Letter mit zusätzlichen Informationen zum Buch und dem kreativen Prozess, der dahintersteckt.

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