Der Weg der Spiegel

Veronika Bond Der Horizont Leave a Comment

‘Der Horizont’, Teil 3, achtzehntes Kapitel: Widrigkeit als Einladung zum Erkennen persönlicher Muster, was die Biosophie von der ganzheitlichen Medizin lernen kann und der Weg der Spiegel im Überblick

 

“Geist und Körper — beide reflektieren die größere Ganzheit.”Margaret Newman

In Kapitel 17 haben wir das persönliche Erleben als Privatangelegenheit betrachtet. Damit hätte dieses Buch enden können. Doch das Alltagsleben des Menschen ist auch ein gemeinsames Erlebnis. Auf den ersten Blick sieht das wie ein Paradox aus, aber es gibt eine einfache Erklärung dafür:

Jedes individuelle menschliche Bewusstsein ist einzigartig und bis zu einem gewissen Grad unabhängig, und gleichzeitig ist es in das kollektive menschliche Bewusstsein eingebettet. Das Einzelbewusstsein ist wie eine Einzelzelle in dem Organismus des Kollektiven. Darum kann jeder Einzelne von dem Erleben anderer lernen.

Die Verarbeitung alltäglicher negativer Erlebnisse ist eine ziemlich große Herausforderung, denn wir wissen noch nicht viel darüber. Es ist ein Schattenbereich des menschlichen Verstehens — ein Wissensfeld in den Kinderschuhen.

Nur wenige Menschen halten es für ein wertvolles Forschungsgebiet, denn es erscheint zu gewöhnlich, zu irrelevant, zu persönlich, zu direkt unter der Haut. Es weckt Emotionen, wodurch die Arbeit damit unangenehm ist, wenn nicht sogar unmöglich, mit klarem Kopf darüber nachzudenken.

Warum sollen wir uns über unsere privaten kleinen alltäglichen negativen Erlebnisse Sorgen machen, wenn es so viele große Katastrophen, richtige Konflikte und wahre menschliche Tragödien gibt, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken können?

Dieses ‘unbedeutende’ alltägliche Zeug ist der Stoff, aus dem wir unser gesamtes menschliches Leben schöpfen. Sehr oft sind es genau diese ‘unbedeutenden’ kleinen Ereignisse, die den Unterschied ausmachen zwischen Krankheit und Gesundheit, Versagen und Erfolg, Scheidung und einer glücklichen Ehe, einem vergeudeten Leben und einem erfüllten Leben, innerem Krieg und innerem Frieden.

Womöglich spiegelt sich darin das Muster eines Phänomens größerer Dimensionen? Die ‘wirklichen’ Kriege, Katastrophen und Konflikte, die wir überall sehen, könnten sehr wohl Reflexionen desselben Musters sein, das wir in unserem Innern tragen.

Biosophie als Wissensfeld — d.h. die Umwandlung alltäglicher negativer Erlebnisse in persönliche Weisheit — befindet sich in den Kinderschuhen; aber wir können von verwandten Gebieten lernen.

Körperliche Krankheit, zum Beispiel, ist eine spezifische Form negativen Erlebens, dem Menschen von jeher viel Aufmerksamkeit gewidmet haben. In unserer Kultur gibt es zwei grundlegend verschiedene Ansätze zur Behandlung von Krankheit.

In der ganzheitlichen Medizin werden körperliche Symptome als Bemühungen des physischen Organismus verstanden, sich selbst zu heilen. Ein Fieber zum Beispiel “ist das Ergebnis der Bemühung des Körpers, sich gegen eine Infektion oder ein Gift zu verteidigen,” wie der Schweizer Heilpraktiker Christopher Vasey erklärt.

In der Schulmedizin werden Symptome als Krankheitszeichen interpretiert, die eliminiert werden müssen. Ein Fieber beispielsweise wird allgemein als unerwünscht und potentiell gefährlich betrachtet, also muss es ‘gesenkt’ werden.

Dies sind zwei sehr unterschiedliche Haltungen, und denselben grundsätzlichen Unterschied können wir in unserem Umgang mit persönlichen negativen Erlebnissen beobachten.

Ganz allgemein gesagt gilt jedes persönliche negative Erlebnis als ‘schlecht’. Der Wunsch das angebliche ‘Übel’ zu beseitigen ist ein automatischer Reflex. Alle konventionellen Lösungen zum Umgang mit persönlichen negativen Erlebnissen, einschließlich vieler sogenannter ‘alternativer’ Methoden, basieren auf dieser Annahme.

Im ganzheitlichen Verständnis ist der Körper ein Organismus, der Selbstheilungskräfte besitzt, d.h. er hat die Fähigkeit, sich selbst zu regenerieren. Und diese Selbstheilungsfähigkeit ist nicht auf den physischen Organismus begrenzt.

Im Solosystem betrachten wir das individuelle menschliche Bewusstsein als lebenden Organismus — das schließt den Leib und alle mentalen Bewusstseinsorgane ein. Darum lässt sich, aus der ganzheitlichen Perspektive, jedes negative persönliche Erleben als Bemühung zur Selbstheilung des Einzelbewusstseins betrachten.

In ihrem Buch Health as Expanding Consciousness (Gesundheit als Bewusstseinserweiterung) schreibt die Pflegewissenschaftlerin Margaret Newman: “Wir können sehen, dass Geist und Körper nicht getrennte interaktive Phänomene sind, sondern Manifestationen derselben größeren Realität. Entgegen früheren Vermutungen wird das eine nicht vom anderen verursacht, wie in der ‘mind over matter’ Terminologie, sondern jeder ist eine Widerspiegelung eines darunterliegenden Musters eines Phänomens von größerer Dimension. Beide reflektieren die größere Ganzheit.”

 

“Die Integration negativer Erlebnisse gibt Immunität gegen Widrigkeiten.”VB

Margaret Newmans Erklärung stimmt mit der ‘impliziten Ordnung’ überein, die von dem Quantenphysiker David Bohm formuliert wurde. Die implizite Ordnung ist ein darunterliegendes Muster, aus dem sich eine ‘explizite Ordnung’ ergibt.

In einem Bild dargestellt ist die implizite Ordnung wie der Ozean, während sich die explizite Ordnung in Form von Wellen ausdrückt, die an der Oberfläche auftauchen und verschwinden, Strömungen und Gegenströmungen unter dem Meeresspiegel, Strudel im Wasser usw.

In seinem Buch Die implizite Ordnung: Grundlagen eines dynamischen Holismus schreibt David Bohm: “In der Formulierung physikalischer Gesetze sollten wir jetzt der implizierte Ordnung den Vorrang geben, während die explizite Ordnung an Bedeutung zweitrangig sein soll.”

Hier sehen wir eine interessante Parallele mit Roberto Assagiolis Subpersönlichkeiten (= explizite Ordnung) und dem darunterliegenden Kern (= implizite Ordnung), denen wir im vorangegangenen Kapitel begegnet sind.

Nun stellt sich die Frage, wie lässt sich dieses Wissen auf die Umwandlung negativer Erlebnisse in persönliche Weisheit anwenden? Was bedeutet es in der praktischen Anwendung in Alltagssituationen?

Unsere erste Motivation zur Verarbeitung eines primären negativen Erlebnisses ist der Wunsch, eine bestimmte Art negativer Ereignisse hinter sich zu lassen.

Basierend auf dem gegenwärtigen dominanten Verständnis in unserer Kultur neigen wir dazu, scheinbar äußere Umstände zu bekämpfen, und wir kämpfen sogar gegen unsere eigenen negativen Erlebnisse.

Die Beseitigung eines negativen Ereignisses erscheint nur durch eine Konfrontation der widrigen Kräfte möglich zu sein. Das Ziel besteht darin, einen bestimmten lästigen oder unbequemen Aspekt des Lebens zu besiegen. Dadurch hoffen wir, Freiraum für ein angenehmeres Erlebnis schaffen zu können.

Aus der ganzheitlichen Perspektive sehen wir das negative Ereignis als unreifen Aspekt von uns selbst. Wir erkennen es als Gelegenheit, etwas Neues zu entdecken. Das bedeutet, dass wir die Informationen, die sich uns bieten, willkommen heißen und dass wir gewillt sind mit dem negativen Erlebnis zusammenzuarbeiten.

Mit anderen Worden, das ‘Hinter-sich-lassen’ eines negativen Ereignisses wird zur Zusammenarbeit von Kräften, die einander ergänzen. Das Ziel ist das Erlangen eines tieferen Verständnisses und einer höheren Wertschätzung des Lebens.

Im Prinzip ist dieser Ansatz sehr einfach. Die Anwendung kann jedoch überraschend schwierig sein.

Sobald eine Widrigkeit sozusagen ‘mit der Innenwelt kollidiert’, entsteht ein persönliches negatives Erleben im Einzelbewusstsein. Der einzige Weg, auf dem man dieses Ereignis hinter sich lassen kann, führt durch das Erlebnis selbst.

Unsere automatische Reaktion jedoch ist es, sich dem Unbehagen zu widersetzen. Die dominante Haltung von ‘Kämpfen oder Fliehen’ ist tief in das Gewebe unseres Bewusstseins eingeprägt, selbst dann, wenn wir uns gern als ‘ganzheitlichen Menschentyp’ betrachten.

Dann findest du vielleicht einen Weg, dir vorübergehend die Last des negativen Erlebnisses zu erleichtern, indem du es ignorierst. Du fühlst dich vielleicht ‘gestärkt,’ wenn du es durch positive Erlebnisse überlagerst. Du kannst auf Überlebensstrategien zurückgreifen und dich für eine Weile ablenken, doch es wird nicht aus deiner Innenwelt verschwinden.

Primäre negative Erlebnisse sind wie unreife innere Geschöpfe, wie wir entdeckt haben. Sie bleiben in der Dunkelseite des Bewusstseins, und dort warten sie auf Gelegenheiten erwachsen zu werden.

Die Verarbeitung von negativen Erlebnissen hat 2 große Vorteile. Die Entwicklung des schlummernden Potentials wurde bereits mehrmals erwähnt, das ist einer davon.

Der zweite große Vorteil der Verarbeitung und Integration eines primären negativen Erlebnisses besteht darin, dass es dir Immunität gegen eine bestimmte Form von Widrigkeit verleiht. Außerdem macht es dich allgemein stärker und verbessert dein inneres Gleichgewicht.

Mit regelmäßiger Praxis verbessert diese biosophische Arbeit das Gleichgewicht des inneren Ökosystems, und dies hat viele wohltuende Wirkungen n der Außenwelt. Die Wirkungen dieser Arbeit reichen weit über die Umwandlung eines bestimmten negativen Ereignisses hinaus.

 

“Das Universum gehört nicht mir: es ist ich.”Fernando Pessoa

Persönliche Erlebnisse sind die kleinen Wellen und großen Wogen an der Oberfläche des inneren Ozeans. Sie sind auch die Strömungen und Gegenströmungen unter dem Meeresspiegel sowie eine Unmenge anderer Unterwasseraktivitäten bis in die Tiefen des Meeres.

Anfangs können wir nur oberflächliche Ereignisse und scheinbare Ursachen sehen. Wenn wir unser negatives Erleben ändern wollen, dann müssen wir, metaphorisch gesprochen, ‘in den Ozean eintauchen’.

In seinem Buch der Unruhe schreibt der portugiesische Dichter Fernando Pessoa: “Ewige Touristen unserer selbst, es gibt keine Landschaft außer unserem eigenen Sein. Wir besitzen nichts, denn wir besitzen nicht einmal uns selbst. Wir haben nichts, denn wir sind nichts. Welche Hand soll ich ausstrecken, und in welches Universum? Das Universum gehört nicht mir: es ist ich.”

Durch die materialistische Brille unserer Kultur betrachtet sind Erlebnisse Phänomene, die wir entweder haben oder loswerden wollen. Entweder entwickeln wir ihnen gegenüber eine besitzergreifende Haltung, oder wir verleugnen ihre Existenz. Wir meinen, persönliches Erleben ließe sich nach freiem Willen kopieren, anderswo einsetzen und auslöschen.

Oder sind wir etwa unser Erleben?

Wir sind wie besessen von unserem negativen Erleben. Meine negativen Erlebnisse besetzen mich, bis ich den Mut habe, mir sie ‘zueigen’ zu machen.

Wenn wir einem negativen Erlebnis begegnen, dann nehmen wir irrtümlich an, das Erlebnis selbst sei das Problem. Das wahre Problem liegt in unserer feindseligen Haltung gegenüber negativen Erlebnissen, basierend auf Mangel an Wissen bezüglich der Fähigkeit zur Verwandlung des menschlichen Bewusstseins.

Der Umwandlungsprozess beginnt, sobald wir unsere negative Haltung gegenüber dem eigenen persönlichen negativen Erleben ändern. Er entfaltet sich schrittweise, wenn wir in die Innenwelt eintreten und tiefere Einsichten gewinnen.

Wir müssen die hintergründigen Muster unseres Bewusstseins erleben, welche die negativen Phänomene erzeugen. Das Eintauchen in die tieferen Schichten der Innenwelt weitet das Verständnis von uns selbst, und das Erleben ändert sich, weil wir es in einem größeren Kontext sehen können.

Der Illustrator Istvan Banyai hat dieses Prinzip sehr schön in einem Bilderbuch dargestellt. Das Buch hat den Titel Zoom, und die Bilder sind hier online zu sehen.

 

“Man sieht nur mit dem Herzen gut.”Antoine de Saint Exupéry

Wenn Erlebnisse und Ereignisse Reflexionen eines tieferliegenden Grundmusters sind — und wenn die Verarbeitung eines primären negativen Erlebnisses die Umwandlung eines unreifen Musters anregt — dann muss sich die gekonnte Integration eines solchen Erlebnisses auf den ganzen Organismus auswirken.

In diesem Sinne lässt sich jedes negative Erlebnis als Heilungsimpuls betrachten. Es kann als Einladung aufgefasst werden, in den inneren Ozean einzutauchen und seine Tiefen zu erkunden.

Die 8 Wege der Verantwortung des Solosystems sind Einladungen zur Übung einer kooperativen Haltung gegenüber dem persönlichen negativen Erleben. Wie mit jeder neuen Praxis ist es gut, sich sanft einzugewöhnen. Der 1. Weg ist eine gute ‘Übung zum Aufwärmen’ für unsere biosophische Arbeit.

Der Weg der Spiegel wird vom Leib als Bewusstseinsorgan beherrscht, und er regt die Selbstbetrachtung (englisch self-reflection) an. Über uns selbst reflektieren ist eine wichtige Funktion des menschlichen Bewusstseins, im Sinne von Nachdenken, Kontemplation, Überlegungen anstellen usw.

Das Wort reflektieren bedeutet aber auch spiegeln. Wir haben eine vage Vorstellung davon, dass die verschiedenen Bewusstseinsorgane durch eine Art der ‘Spiegelung’ miteinander kommunizieren, doch es handelt sich nicht um ein ‘gegenseitiges Widerspiegeln’ wie Margaret Newman sagt.

Jede Handlung der Organe unseres Einzelbewusstseins spiegelt die größere Ganzheit wieder.

Im Solosystem bedeutet der Begriff Selbstbetrachtung, in die verschiedenen ‘Spiegel’ schauen, die uns unsere 8 Bewusstseinsorgane darbieten. Hier geht es zunächst um aufmerksames Beobachten. Nur bei den letzten 2 Schritten ist vielleicht etwas tiefere Kontemplation hilfreich.

Mit anderen Worten, wir reflektieren nicht über das Geschehene im Sinne einer rationalen Analyse. Hier wollen wir die rationalen und gewohnten Denkweisen so weit wie möglich ausschalten.

Wir wollen üben, ‘mit dem Herzen zu sehen’, denn wie Antoine de Saint Exupéry im Kleinen Prinz so schön gesagt hat: “Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.”

Anstatt mit dem Kopf wollen wir die Reflexionen eines Ereignisses in den 8 Spiegeln ohne die gewohnten Vorurteile und mit offenem Herzen betrachten. Jedes Bewusstseinsorgan reflektiert das Erlebte auf seine eigene Art.

Die Wege der Verantwortung bestehen jeweils aus 8 Schritten, und jeder Schritt gibt einen Heilungsimpuls.

Der Weg der Spiegel eignet sich zur Verarbeitung einer Widrigkeit. Hier sind wir insbesondere an negativen Ereignissen interessiert, die einen immer wieder einholen, ganz gleich wie sehr man sich darum bemüht, sie hinter sich zu lassen.

Manchmal kommt es einem beinahe vor, als stünde man in Bezug auf bestimmte Missgeschicke unter einem Fluch. Dann stellt man sich die Frage: ‘Warum muss mir das immer passieren?’ — Das ist eine Gelegenheit, den Weg der Spiegel zu erkunden.

Alle persönlichen Widrigkeiten sind mit einem Grundmuster verbunden, das dem Erlebenden oft nicht bewusst ist. Die negativen Ereignisse können äußerlich ganz unterschiedlich aussehen. Wenn man jedoch tiefer in das persönliche Erleben eintaucht, dann entdeckt man gemeinsame Spuren.

Der Weg der Spiegel ist ein biosophischer Prozess, der dir dabei helfen kann, Teile deines persönlichen Musters zu finden, die unter dem negativen Erleben der Widrigkeit verborgen liegen.

 

Hier ist ein Überblick über den Weg der Spiegel mit seinen 8 Heilungsimpulsen
1. Spiegel — Leib — Zwischenfall

Der erste Spiegel ist der Zwischenfall selbst. Wirf einen Blick in den ‘Spiegel des Leibes’ und stelle die Frage:

Was ist passiert?

In Erwiderung auf diese Frage sieh dir die Widrigkeit an mit der Absicht, ein Spiegelbild des Ereignisses auf der materiellen Ebene zu empfangen. Beschreibe, was tatsächlich passiert ist.

2. Spiegel — Intellekt — Spekulation
Der zweite Spiegel ist die Spekulation, die du automatisch mit den rationalen Funktionen anstellst. Der Begriff Spekulation ist hier im Sinne von Mutmaßung, Annahme verwendet.

Sieh in den ‘Spiegel des Intellekts’ und frage dich:

Welche Spekulation stelle ich an, um mir dieses Ereignis zu erklären?

In Erwiderung auf diese Frage sieh dir deine automatische rationale Reaktion auf die Widrigkeit an. Lass deine spontanen Gedanken an die Oberfläche kommen und fange deine Spekulation ein.

3. Spiegel — Instinkt — Trauma

Der dritte Spiegel ist das Trauma des Erlebnisses. Der Begriff ‘Trauma’ ist hier im Sinne von Peter Levines Definition gebraucht, dass die meisten von uns durch relativ geringfügige Ereignisse  traumatisiert sind. “Wir werden traumatisiert, wenn unsere Fähigkeit, auf eine wahrgenommene Bedrohung zu reagieren, auf irgendeine Weise überfordert ist.” (Aus dem Buch Healing Trauma)

Ungelöstes Trauma Wird im Gedächtnis des menschlichen Bewusstseins gespeichert und es zieht negative Erlebnisse und Ereignisse sozusagen in unser Wirkungsfeld. Emotionale Reaktionen, die von einem negativen Ereignis ausgelöst werden, sind gewöhnlich mit persönlichem Trauma verknüpft. Die/der Erlebende ‘erlebt das Trauma erneut’ in abgeschwächter Form.

Sieh in den ‘Spiegel des Instinkts’ und frage dich:

Was ist mein Trauma? Inwiefern fühle ich mich durch dieses Ereignis traumatisiert?

In Erwiderung auf diese Frage lass deine emotionale Reaktion auf die Widrigkeit in dein Wahrnehmungsfeld kommen.

4. Spiegel — Imagination — Drama

Der vierte Spiegel ist das Drama des Erlebnisses. Der Begriff ‘Drama’ ist hier im Sinne einer lebhaften und auffallenden Szene verwendet, die spontan in deiner eigenen Fantasie stattfindet.

Die Imagination übersetzt die Widrigkeit und die persönliche Erwiderung darauf in eine dramatische Szene, die für den/die Erlebende einmalig ist.

Sieh in den ‘Spiegel der Imagination’ und frage:

In welches Drama sehe ich mich hier verwickelt?

In Erwiderung auf diese Frage betrachte die ‘dramatische Szene’, die von deiner Imagination als Reaktion auf die Widrigkeit produziert wird.

5. Spiegel — Intuition — Prägung

Der fünfte Spiegel ist die Prägung des Erlebnisses. Der Begriff ‘Prägung’ beschreibt einen dauerhaften Eindruck, den ein negatives Erlebnis im Einzelbewusstsein hinterlässt. Die gegenwärtige Widrigkeit scheint in eine bereits zuvor bestehende Prägung zu fließen wie eine geschmolzene Substanz in eine Gussform.

Sieh in den ‘Spiegel der Intuition’ und frage:

Welche Prägung formt mein Erlebnis?

In Erwiderung auf diese Frage betrachte die vorgeprägte Überzeugung, die durch die Widrigkeit ausgelöst wurde.

6. Spiegel — Inspiration — Muster

Der sechste Spiegel zeigt das Muster des Erlebnisses. Wenn sich ein Erlebnis wiederholt, dann kann es als Muster gelten. Elemente eines Erlebnisses, die wir erkennen, weil sie uns vertraut sind, gehören zu unserem persönlichen Muster.

Sieh in den ‘Spiegel der Inspiration’ und frage:

Welches Muster erkenne ich in diesem Erlebnis?

In Erwiderung auf diese Frage sieh dir die Reaktionen an, die in den Schritten 1-5 von der Widrigkeit ausgelöst wurden. Vielleicht kommen dir die Reaktionen bekannt vor. Durch vertraute Aspekte kannst du Elemente deines Musters identifizieren.

7. Spiegel — Seele — Wesenskern

Der siebte Spiegel zeigt den Wesenskern des Erlebnisses. Dies ist die Quintessenz des unreifen Erlebnisses bzw. der ‘Code’ des Musters.
Sieh in den  ‘Spiegel der Seele’ und frage:

Was ist der Wesenskern meines Erlebnisses?

Bei diesem Schritt ist womöglich tiefere Kontemplation nötig. Der Wesenskern bzw. die Quintessenz lässt sich durch den gemeinsamen Nenner der Reaktionen aller Bewusstseinsorgane ermitteln.

8. Spiegel — Wille — Bedürfnis

Der achte Spiegel enthüllt das Bedürfnis dieses ‘unreifen Erlebnisses’. Dieses Bedürfnis ist eine grundlegende Notwendigkeit, die das Erlebnis braucht, um sich weiterentwickeln zu können. Es kann nur dann wachsen und reifen, wenn dieses Bedürfnis erfüllt ist, und nur du kannst dieses Bedürfnis erfüllen.

Sieh in den ‘Spiegel des Willens’ und frage:

Was ist das grundlegende Bedürfnis meines ‘unreifen Erlebnisses’?

In Erwiderung auf diese Frage identifiziere das Grundbedürfnis des unreifen Aspektes, auf den du durch dieses Erlebnis aufmerksam geworden bist.

Wenn du das Bedürfnis identifiziert hast überlege für einen Moment, was du selbst tun kannst, um dieses wesentliche Bedürfnis deines unreifen Aspekts zu erfüllen.

Damit ist der Weg der Spiegel beendet.

 

© Veronika Bond, 2017

Dieser Artikel ist ein Entwurf des 18. Kapitels des Buches Der Horizont, Band 2 des Solosystems.

Zur Ergänzung gibt es einen e-Letter mit zusätzlichen Informationen zum Buch und dem kreativen Prozess, der dahintersteckt.

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