Der Weg der Pfeile

Veronika Bond Der Horizont Leave a Comment

‘Der Horizont’, Teil 3, neunzehntes Kapitel: vom Mangel als Heilimpuls, was die Biosophie von Schriftstellern lernen kann und ein Überblick über den Weg der Pfeile

 

“Das Leben ist einfach zu kurz, um ohne eine solche Klarheit zu leben.”Barbara Sher

Wer sich eine ‘bessere Welt’ erschaffen will, kann in Selbsthilfebüchern Rat finden. Eine der Expertinnen zum Thema ‘Wunscherfüllung und Gestaltung eines guten Lebens’ ist Barbara Sher, eine amerikanische Karriereberaterin und Autorin vieler Bücher.

In ihrem Bestseller Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will schreibt Barbara Sher über zwei Psychologen aus Harvard, die eine Studie mit Menschen durchgeführt haben, die sich als glücklich bezeichneten.

“Was hatten diese glücklichen Menschen gemeinsam?”, fragt sie. “Geld? Erfolg? Gesundheit? Liebe? Nichts davon.

Sie hatten lediglich zwei Dinge gemeinsam: Sie wussten genau, was sie wollten, und waren dabei, es zu verwirklichen. Genau das macht ein Leben stimmig: wenn es eine Richtung hat, wenn Sie genau auf das ausgerichtet sind, was Sie lieben.

Und ich meine wirklich lieben.”

Die Studie, auf die sich Barbara Sher beruft, wurde in den frühen achtziger Jahren durchgeführt, doch die Resultate sind zeitlos.

“Wenn man in die Nähe von Menschen kommt, die ihrem Herzen folgen, kann man ihnen die Intensität im Gesicht ablesen.”, beobachtet sie und fügt an: “Das Leben ist einfach zu kurz, um ohne eine solche Klarheit zu leben.”

Manche Menschen haben einfach diese Art Klarheit. Viele haben sie nicht. Wie bekommt man sie? Es muss etwas damit zu tun haben, wie man sich selbst wahrnimmt und die eigene Welt erlebt.

Manchmal halten wir Erlebnisse für äußere Ereignisse. Selbst das Wort Erlebnis wird manchmal im Sinne von einem Ereignis verwendet, das in der Außenwelt passiert. Inneres und äußeres Erleben gehen miteinander Hand in Hand.

Verständlicherweise verleitet uns dies zu der Annahme, dass unsere inneren Wahrnehmungen und Empfindungen durch äußere Umstände verursacht werden. Folglich verbringen wir viel Zeit und Energie damit, uns wünschenswerte äußere Situationen zu erschaffen, in der Hoffnung, dass uns dies die inneren Erlebnisse bringt, die wir uns wünschen.

Eine alternative Theorie legt nahe, dass das Leben, das wir sozusagen ‘in der Außenwelt’ erleben, durch das verursacht wird, was in unserem eigenen Bewusstsein vor sich geht. Also versuchen wir uns auf glückliche Gedanken und Gefühle zu konzentrieren und erwarten, dass dies ein glückliches Leben erschaffen wird.

Doch äußere und innere Erlebnisse sind eigentlich nicht kausal miteinander verbunden, wie wir von Margaret Newman im letzten Kapitel gelernt haben. Sie treffen miteinander zusammen. Sie geschehen gleichzeitig.

Die ‘Ursache’ für unser Erleben, falls es eine gibt, lässt sich in einem Muster erkennen, das die tieferen Schichten unseres Bewusstseins bestimmt. Dieses persönliche und einzigartige Muster löst emotionale Reaktionen aus, die kühnsten Träume und schlimmsten Albträume, konstruktive und destruktive Überzeugungen, schöne und hässliche Gefühle, gute und böse Gedanken.

 

“TU WAS DU WILLST, das bedeutet doch, dass ich alles tun darf, wozu ich Lust habe, meinst du nicht?”Michael Ende

Man hat uns gelehrt, den menschlichen Schöpfungsakt als Handlung zu betrachten, die von dem sogenannten freien Willen gesteuert ist. Im zweiten Teil dieses Buches haben wir gelernt, dass die Erschaffung des Lebens, das wir uns wünschen eher einem Wachstumsprozess gleicht. Unsere mentalen freiwilligen Handlungen spielen hierbei eine wichtige, doch relativ kleine Rolle. Der Löwenanteil der Wachstumsaktivität ist ein autonomer Prozess.

Dies erklärt, warum wir oft nicht das Erlebnis bekommen, das wir uns gewünscht haben, wenn wir versuchen, unsere äußeren Umstände zu manipulieren. Und die Manipulation des inneren Erlebens — wie etwa von Gedanken, Gefühlen, Selbstbild und Überzeugungen — ist womöglich sogar noch schlimmer.

Im Solosystem gehen wir von der Annahme aus, dass menschliches Erleben aus einem komplexen Gewebe von Bewusstseinsströmungen entsteht. Erleben wird aus unserem eigenen Bewusstsein erzeugt, und es hat viele Facetten. Das äußere Ereignis — das dem inneren Erleben entspricht und sich mit ihm deckt — ist eine dieser Facetten.

Jede Art der Manipulation wirkt sich störend auf gesundes Wachstum aus. Außerdem wissen wir oft nicht wirklich, was wir wollen. Wie soll man es dann bekommen?

Der deutsche Schriftsteller Michael Ende spricht dieses Thema in seinem Buch Die Unendliche Geschichte an. Bastian, der Held der Geschichte, trägt ein Amulett mit einer Inschrift auf der Rückseite. Dort heißt es: ‘TU WAS DU WILLST.’

“Das bedeutet doch, dass ich alles tun darf, wozu ich Lust habe, meinst du nicht?”, fragt Bastian den Löwen Graógráman. Doch der Löwe widerspricht ihm.

“Nein,” sagt er mit seiner tiefen, grollenden Stimme. “Es heißt, dass du deinen Wahren Willen tun sollst. Und nichts ist schwerer.”

“Meinen Wahren Willen? Was ist denn das?”

“Es ist dein eigenes tiefstes Geheimnis, das du nicht kennst.”

“Wie kann ich es denn herausfinden?”

“Indem du den Weg der Wünsche gehst, von einem zum andern und bis zum letzten. Der wird dich zu deinem Wahren Willen führen.”

“Das kommt mir eigentlich nicht so schwer vor,” meint Bastian.

Es ist von allen Wegen der gefährlichste”, entgegnet der Löwe.

Autoren von Phantasiegeschichten sind Experten im Erschaffen neuer Welten. Sie gestalten für ihre Leser lebensnahe Erlebnisse. Wer sein Können in der Erschaffung des eigenen Erlebens vertiefen will, kann von Michael Ende und seinen Kollegen viel lernen.

Alles was wir uns im Leben wünschen, ist letztendlich die Sehnsucht nach einem bestimmten Erlebnis. Wir wollen Geld haben, denn wir sehnen uns nach dem Erlebnis von Freiheit, Sicherheit und Unabhängigkeit, die wir mit finanziellem Wohlstand assoziieren. (Oder zumindest wollen wir das Erleben von Einschränkung, Unsicherheit und Entbehrungen hinter uns lassen, die mit Armut verbunden sind.)

Du wünschst dir vielleicht eine sichere Arbeitsstelle, oder dein eigenes Geschäft, oder du willst mit deiner Kunst Erfolg haben, und all das aus ganz ähnlichen Gründen. Mit anderen Worten, hinter dem Wunsch nach einem bestimmten äußeren Ereignis steckt ein Hintergedanke, eine persönliche Motivation.

Als Michael Ende in einem Interview gefragt wurde, warum er Schriftsteller geworden sei, antwortete er: “Ich wollte kein Maler werden. Mein Vater war Maler. Ich hatte es satt, nie genug Geld zu haben.”

Angesichts der Chancen, als Autor von Phantasiegeschichten Geld zu verdienen, war ihm die Komik seiner Erklärung sicherlich bewusst. Konnte er sicher sein, dass er als Schriftsteller Geld verdienen würde? Wahrscheinlich nicht.

Vielleicht lag in ihm der Keim eines Erlebnisses mit Wachstumspotential. Er schlummerte in seinem Bewusstsein, lange bevor er ‘der Märchenerzähler der Nation’ wurde.

 

“Menschen, die die Existenz von Drachen verleugnen, werden oft von Drachen gefressen. Von innen.”Ursula Le Guin

Dem Zitat aus der Unendlichen Geschichte nach zu urteilen muss Michael Ende gewusst haben, dass er einen riskanten Weg gewählt hatte, ‘von allen Wegen der gefährlichste’.

In dem Werk einer der größten Geschichtenerzählerinnen Amerikas finden wir einen ähnlichen Gedanken. “Kannst du den Weg deiner Träume gehen?” fragt Ursula Le Guin in ihrem Roman Das Wort für Welt ist Wald, der später als Idee für den Film Avatar aufgegriffen wurde. Die Antwort lautet: “Manchmal. Manchmal habe ich Angst davor. Wem geht es nicht ebenso.”

Wenn man etwas anderes erleben will als das, was man bereits erlebt — und wenn man akzeptiert, dass alles Erleben irgendwie im eigenen Bewusstsein erzeugt wird, und zwar größtenteils auf rätselhafte Weise jenseits der Kontrolle des eigenen Willens — dann macht es Sinn, die Substanz näher zu untersuchen, die das eigene Bewusstsein gegenwärtig produziert.

Dein gegenwärtiges persönliches Erleben ist dein schöpferisches Mittel; und du bist der Künstler. Heißt das, du kannst einfach machen was du willst?

Ursula Le Guin ist eine Meisterin ihrer Kunst. In einem Essay mit dem Titel The Question I Get Asked Most Often (Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird) schreibt sie:

“Kunst ist kunstvolle Fertigung. Jede Kunst ist immer im Wesentlichen Kunstfertigkeit: doch in dem wahren Kunstwerk, vor der kunstvollen Fertigung und im Anschluss daran, gibt es einen essentiellen, dauerhaften Kern des Seins, an dem die Kunstfertigkeit arbeitet, den sie zeigt und freisetzt.”

Als Schöpferneulinge wollen wir die Kunst der ‘kunstvollen Fertigung’ unseres Erlebens erlernen. Wir wollen unsere Aufmerksamkeit auf die Entdeckung des essentiellen, dauerhaften Kerns des Seins richten, der in dem groben, ungehobelten und unbequemen Erleben des Alltagslebens verborgen ist.

“Zuerst muss man warten können.”, sagt Ursula Le Guin. “In Stille warten, und zuhören… Bereitschaft — nicht Grabscherei, nicht Gier — Bereitschaft: Bereitwilligkeit zu hören, zu horchen, aufmerksam horchen, klar sehen, richtig sehen.”

Weiter erklärt sie, dass Schriftsteller ihre Ideen aus eigenem Erleben bekommen, und aus der Phantasie. Genau dasselbe trifft auf jeden Schöpfermenschen zu. Wir alle bekommen unsere Ideen aus unserem persönlichen Erleben und aus Bildern, die von unserer Imagination erzeugt werden, oder die wir aufschnappen, wenn wir andere Menschen beobachten. Aus diesen Ideen basteln wir uns unsere Lebensgeschichte zusammen.

Bei der Lektüre einer guten Phantasiegeschichte mag es so aussehen, als habe die Autorin eine ganze neue Welt aus der Luft gegriffen. “Doch reine Erfindung gibt es nicht.”, sagt Ursula Le Guin.

“Alles beginnt mit dem Erleben. Erfindung ist eine Neukombination. Wir können nur mit dem arbeiten, was wir haben. Im menschlichen Geist gibt es Monster und Ungeheuer und Schimären; dies sind psychische Tatsachen. Drachen gibt es wirklich. Menschen, die die Existenz von Drachen verleugnen, werden oft von Drachen gefressen. Von innen.

 

“Die Sehnsüchte der Menschen sind Pfeile aus Licht.”indianische Weisheit

Im Solosystem arbeiten wir ständig mit inneren Monstern, Ungeheuern, Schimären und Drachen. Sie alle stammen aus dem Reich der Wesen, und sie sind uns als ‘negative Erlebnisse’ bekannt.

Im menschlichen Leben gibt es grundsätzlich zwei Kategorien negativer Erlebnisse:

A — Phänomene, die nicht wünschenswert, pessimistisch, destruktiv oder defekt sind, d.h. jedes negative Ereignis, das wir im vorigen Kapitel als ‘Widrigkeit’ bezeichnet haben, und

B — Phänomene, dies sich durch Abwesenheit auszeichnen; diese sind wünschenswert, optimistisch, konstruktiv oder (erwartungsgemäß) perfekte Ereignisse, doch sie fehlen in unserem gegenwärtigen Erleben.

In diesem Kapitel wollen wir das negative Erleben aus der Kategorie B näher betrachten.

Der Weg der Pfeile wird vom Bewusstseinsorgan des Willens beherrscht, und er regt die Selbstbestimmung an. Der sogenannte ‘freie  Wille’ ist ein lebenswichtiges Organ des menschlichen Bewusstseins, doch er stiftet auch viel Verwirrung. Oft ist es schwierig, das zu bekommen, was man will oder überhaupt zu bestimmen, was man eigentlich will.

Selbstbestimmung ist unsere Fähigkeit, entschlossen zu sein, Entscheidungen zu fällen, Autorität über die Richtung eines bestimmten Verlaufs von Ereignissen zu haben.

Das Wort Bestimmung bedeutet auch identifizieren, ermitteln, einschätzen, festlegen oder bestimmte Tatsachen festhalten, Vorgänge verstehen basierend auf bestimmten Anzeichen.

Bestimmung ist sehr wichtig auf Reisen aller Art. Es beinhaltet ein Ziel, eine Endstation (Terminus),  die Bedingungen und Konditionen der Route, die Einschränkungen und Einflüsse, unter denen man reist.

Im Solosystem beinhaltet der Begriff Selbstbestimmung, dass man ein Set von ‘Pfeilen’ überprüft, die von den 8 Bewusstseinsorganen ausgesandt werden.

Jedes der 8 Bewusstseinsorgane hat sozusagen ‘seinen eigenen Kopf’. Der Wille hat keine Autorität über die anderen Bewusstseinsorgane. Er kann nicht erzwingen, dass der Instinkt bestimmte Emotionen erzeugt oder der Intellekt spezifische Gedanken denkt oder die Inspiration auf geniale Ideen kommt. Die Kontrolle des Willens ist begrenzt, selbst in Bezug auf den Leib.

Selbstbestimmung ist eine gemeinschaftliche Tätigkeit, an der alle 8 Bewusstseinsorgane beteiligt sind, und zu diesem Zweck trägt jedes Bewusstseinsorgan seinen eigenen Pfeil. Wir können die Pfeile nicht ändern, doch wir können sicherstellen, dass sie nicht in entgegengesetzte Richtungen fliegen.

Eine indianische Weisheit erinnert uns an die Macht dieser ‘inneren Pfeile’: “Die Sehnsüchte der Menschen sind Pfeile aus Licht. Sie können Träume erkunden, das Land der Seele besuchen, Krankheiten heilen, Angst verscheuchen und Sonnen erschaffen.”

Der Weg der Pfeile eignet sich zur Arbeit mit dem Erleben von Mangel. Hier sind wir interessiert an Ereignissen, die aufgrund ihrer Abwesenheit als negativ erlebt werden. Trotz großer Anstrengungen, diesen Mangel zu beseitigen, bleibt die Erfüllung oft untersagt.

Im Solosystem können nicht nur Sehnsüchte, sondern auch Emotionen, Überzeugungen, Bilder, Absichten, Gedanken und Motivationen zu ‘Pfeilen’ werden. Dieser Weg hilft uns dabei, ein Set persönlicher Pfeile in Bezug auf einen wahrgenommenen Mangel miteinander in Einklang zu bringen.

Wie alle Wege der Verantwortung hat der Weg der Pfeile  8 Heilimpulse. Dieser Weg lässt sich in 3 Phasen einteilen:

Phase 1 besteht aus den ersten 3 Heilimpulsen. Sie helfen dabei, einen sogenannten ‘vollständigen Wunsch’ in Bezug auf einen wahrgenommenen Mangel zu bestimmen.

Phase 2 besteht aus den zweiten 3 Heilimpulsen. Diese helfen dabei, einen inneren Konflikt in Bezug auf den wahrgenommenen Mangel zu bestimmen.

Phase 3 besteht aus den letzten beiden Heilimpulsen. Sie helfen dabei, den inneren Konflikt aufzulösen und zu bestimmen, was der unreife Wunsch zur Reifung braucht.

 

Überblick über den Weg der Pfeile

Der Weg der Pfeile eignet sich für jede Art von MANGEL

1. Pfeil — Wille — Wunsch

Jeder wahrgenommene Mangel lässt sich in einen glühenden Wunsch übersetzen.

Was ist mein glühender Wunsch?

2. Pfeil — Seele — Sehnsucht

Hinter jedem Wunsch steckt ein tieferes Verlangen nach etwas, das dir rechtmäßig zusteht. Darauf ist die Sehnsucht ausgerichtet.

Wonach sehne ich mich? Was ist meine tiefere Sehnsucht hinter dem Wunsch?

Falls du dir nicht sicher bist, kannst du dir eine Frage stellen, die gewöhnlich direkt zu dieser tieferen Sehnsucht führt.

Welches Erlebnis erwarte ich von der Erfüllung meines Wunsches?

3. Pfeil — Inspiration — Motivation

Hinter der Sehnsucht und dem Wunsch steckt immer eine Motivation. Diese ist normalerweise viel alltäglicher und gewöhnlicher als das tiefe Verlangen. Sie kann sogar oberflächlich erscheinen. Was auch immer sie ist, sie muss klar ausgedrückt werden.

Was ist meine Motivation?

4. Pfeil — Intuition — Aberglaube

Aberglaube ist hier definiert als ein Glaube, der veranlasst, dass ich in Ehrfurcht (Ehre und/oder Furcht) vor etwas Größerem stehe, das ich noch nicht begreife. Die Überzeugung, zwischen ‘sollen’ und ‘nicht können’ festzustecken.

Was ist mein Aberglaube?

Was glaube ich zu sollen, und was glaube ich nicht zu können?

5. Pfeil — Imagination — Doppelbild

Doppelbild bezieht sich hier auf unsere innere Vision. Dieser Heilimpuls hat 2 Aspekte:

1. Aspekt — kühnster Traum: sich selbst an einem erwünschten Ziel sehen.

2. Aspekt — schlimmster Albtraum: sich für immer in der gegenwärtigen Situation gefangensehen.

Beschreibe deinen kühnsten Traum und deinen schlimmsten Albtraum.

6. Pfeil — Instinkt — Spannung

Spannung ist hier definiert als die emotionale Spannung, während man darauf wartet, dass sich ein Wunsch erfüllt. Die Spannung zwischen der Erregung beim Gedanken an die Erfüllung des kühnsten Traums und die Verzweiflung bei dem Gedanken, für immer im schlimmsten Albtraum steckenzubleiben.

Wie fühle ich mich in meiner Spannung?

a) Wie fühle ich mich in meiner Erregung beim Gedanken an die Erfüllung meines kühnsten Traumes und

b) Wie fühle ich mich in meiner Verzweiflung, bei dem Gedanken, für immer in meinem schlimmsten Albtraum steckenzubleiben?

7. Pfeil — Intellekt — Lösung

Der Begriff Lösung ist hier in doppeltem Sinn verwendet. Im Solosystem gehen wir davon aus, dass jedes Problem den Keim seiner eigenen Lösung in sich birgt. Darum lässt sich ein Problem dadurch lösen, dass man es in seine Bestandteile auflöst.

Löse das Problem in seine Bestandteile auf. Was sind die Elemente des Problems?

1. Element: Wunsch — Ich wünsche mir …

2. Element: Sehnsucht — Ich sehne mich nach …

3. Element: Motivation — Ich bin motiviert durch …

Diese ersten 3 Pfeile bilden ein Dreieck: Der Wunsch ist wie die Spitze eines Eisbergs, die Sehnsucht ist die Substanz des Eisbergs, und die Motivation wird zur Basis des Eisbergs — Dies ist der vollständige Wunsch.

4. Element: Aberglaube — Ich sollte …, aber ich kann nicht, weil …

5. Element: Doppelbild — Hier identifiziere die essentielle Qualität des Erlebens der Erfüllung des kühnsten Traumes.
Dann sieh dir die Schlüsselfunktion an, die du in deinem schlimmsten Alptraum erfüllst. Was tust du in diesem Szenarium?

6. Element: Spannung — zwischen a) Erregung …  und b) Verzweiflung …

Das zweite Set der Pfeile 4, 5 und 6 bildet ebenfalls ein Dreieck:

Der 4. Pfeil — Aberglaube — bildet eine Linie mit Pfeilspitzen an beiden Seiten, die in entgegengesetzte Richtungen streben. Eine Pfeilspitze heißt ‘sollte’, die andere heißt ‘kann nicht’.

Der 5. Pfeil — Doppelbild —  wird durch die beiden Seiten des Dreiecks dargestellt, der kühnste Traum einerseits und der schlimmste Alptraum andererseits.

Der 6. Pfeil — Spannung —  ist durch den widersprüchlichen Inhalt des Dreiecks dargestellt, der am ‘Spannungspunkt’ (Spitze des unteren Dreiecks) ausströmt.

Dieses ‘umgekehrte Dreieck’ wird zum Inkubator für den unreifen Wunsch.

8. Pfeil — Leib — Inkubation

Die Pfeile 1, 2 + 3 repräsentieren den vollständigen Wunsch, doch er ist unreif. Jeder unerfüllte Wunsch ist unreif, denn erst mit der Erfüllung kommt er zur Reife. Nun wollen wir einen Inkubator bauen, in dem dieser Wunsch heranreifen kann. Wir wollen diesen Wunsch nähren. Wir wollen ihn nicht manipulieren, und wir wollen ihn auch nicht dadurch verderben, indem wir ihm ‘alles geben, was er will’. Mit anderen Worten, wir wollen nicht für den Mangel kompensieren.

Der Inkubator

Hier müssen wir mit den 3 Elementen des unteren Dreiecks arbeiten, denn dieses beinhaltet den Konflikt.

1. Element: Spannung muss in emotionales Gleichgewicht umgewandelt werden.

Eine sehr wirksame Methode zur Verbesserung des emotionalen Gleichgewichts ist ein ‘Emotions-Tagebuch’, d.h. immer wenn du spürst, dass dich eine Welle negativer Emotionen überkommt, schreibe genau auf, wie du dich fühlst. Natürlich kannst du das auch mit den positiven Emotionen tun, doch gewöhnlich sind es die negativen Wellen, die uns aus dem Gleichgewicht werfen.

2. Element: Das Doppelbild muss einen einheitlichen Fokus bekommen.

Deine Schlüsselfunktion in dem ‘schlimmsten-Alptraum-Szenarium’ zeigt dir einen Aspekt deines natürlichen Verhaltens. Es repräsentiert gewissermaßen, wie du dein Leben ‘betreibst’.

Nun frage dich: Wie kann ich diese ‘Betriebsweise’ auf meinen kühnsten Traum anwenden?

Die essentielle Qualität des Erlebens des erfüllten Traumes ist …………… (schreibe diese Erlebnisqualität auf)

Dies wird dein Fokus. Diese essentielle Qualität des erwünschten Erlebens sagt dir, was du kultivieren musst, damit dein Wunsch reifen kann, und die ‘Schlüsselfunktion’ aus deinem Alptraum sagt dir wie du dabei vorgehen sollst.

Der unreife Wunsch lässt sich kultivieren, indem du deine natürliche ‘Betriebsweise’ auf das Erlebnis anwendest, das du dir wünschst.

3. Element: Der Aberglaube wird in Gewissheit umgewandelt.
Ich sollte ……, doch ich kann nicht weil …… lässt sich nun verwandeln in:
Ich möchte ……, und ich kann das tun weil ……

Damit ist der Weg der Pfeile beendet.

 

© Veronika Bond, 2017

Dieser Artikel ist ein Entwurf des 19. Kapitels des Buches Der Horizont, Band 2 des Solosystems.

Zur Ergänzung gibt es einen e-Letter mit zusätzlichen Informationen zum Buch und dem kreativen Prozess, der dahintersteckt.

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