Der Weg der Kristalle

Veronika Bond Der Horizont Leave a Comment

‘Der Horizont’, Teil 3, einundzwanzigstes Kapitel: Von Herausforderungen als Heilimpuls, innerer Schönheit und dem inneren Biest, und ein Überblick über den Weg der Kristalle

 

“Es gibt nur eines, wovor mir graut: dass ich meiner Leiden nicht würdig bin.”Fjodor Dostojewski

Was haben Märchen und das Erlebnis von Trauma miteinander gemeinsam?

Bei beiden steht eine schwierige, oft gefährliche, manchmal erschreckende Herausforderung im Zentrum. In beiden ist die Hauptfigur das unschuldige Opfer schlimmer Umstände. Und beide führen — potentiell — zu einem glücklichen Ende. Der Held bzw. die Heldin wird belohnt und ‘lebt glücklich bis ans Ende’.

In der Biosophie ist dieses potentielle Ergebnis ein großer Anreiz. Wir wollen unser sogenanntes ‘schlummerndes Potential’ aktivieren. Wir stellen uns vor, das erfüllte Potential macht es möglich, dass wir zu dem werden, ‘wozu wir geboren sind’, um endlich das Leben unserer wahrhaftigsten Träume zu leben.

Je weiter wir auf dem Weg des inneren Wachstums voranschreiten, umso klarer wird, dass  diese mysteriöse Quelle eines authentischen Lebens, die wir ‘persönliches menschliches Potential’ nennen, mit gewissen Aufgaben verbunden ist.

Wenn wir unser Potential erfüllen wollen, dann müssen wir uns diesen Herausforderungen stellen. Das ist nicht leicht, denn Herausforderungen sind einzigartig, darum muss die Lösung spezifisch und individuell sein, und das heißt, es gibt keine garantierte Route zu einem ‘glücklich-bis-ans-Ende-Leben’.

Sowohl Trauma als auch Märchen konzentrieren sich auf die Grenzen der menschlichen Fähigkeiten. Trauma ist definiert als ein Erlebnis, das den Erlebenden tief aufwühlt und quält. Das beunruhigende Ereignis zerstört die Grenzen dessen, was man bewältigen kann. Und Trauma ist immer mit intensiver Angst verbunden.

In ihrem Buch From the Beast to the Blonde (Vom Biest zur Blondine) erklärt die Historikerin Marina Warner, “Das Märchen als Form befasst sich mit Grenzen, und Grenzen werden oft durch Angst gesetzt: eines der grundlegenden Themen handelt von einem Protagonisten, der auszieht, um das Unbekannte zu entdecken und dessen Schrecken zu überwinden.”

Dieselben Themen finden wir auch in der Traumatherapie. Wenn es uns gelingt, den Schock des Traumas zu integrieren, dann eröffnet die Erfahrung, die uns bis an die Ufer des Erträglichen geschwemmt hat, neue Möglichkeiten. Wie die Hauptfigur im Märchen wird die/der Erlebende des Traumas mit einem neuen und glücklicheren Leben belohnt.

Durch Verarbeitung und Verständnis der persönlichen Information des Traumas gewinnt das Leiden seinen einzigartigen Wert. Es hilft uns, persönliche Grenzen zu überwinden und öffnet die Tür zu dem inneren Schatz des bis dahin verborgenen Potentials. Fjodor Dostojewski hat vielleicht an diese Verbindung gedacht, als er schrieb: “Es gibt nur eines, wovor mir graut: dass ich meiner Leiden nicht würdig bin.”

 

“All unser Leiden entspringt einem Geist, der sich an sich selbst klammert.”Tsultrim Allione

In einer der frühesten schriftlich überlieferten Versionen des Märchens ‘Die Schöne und das Tier’ erzählt Jeanne-Marie LePrince de Beaumont, dass die Schöne nicht nur schöner war als ihre Schwestern, sie war auch die intelligenteste, geduldigste, liebenswürdigste und rücksichtsvollste der drei Mädchen.

Die Schöne wird als untadeliger Mensch dargestellt. Nur eine Jungfrau, die solche Tugenden besitzt, hat die Macht das Tier zu erlösen und seine menschliche Form wiederherzustellen.

Das Tier in dieser Geschichte sieht hässlich und abschreckend aus, doch es ist liebenswürdig, großzügig und hilfsbereit. Es hat ein gutes Herz, und das ist es, was am Ende das Herz der ‘makellosen Jungfrau’ gewinnt.

Die Schöne erkennt, dass sie lieber ihr Leben mit einem hässlichen Tier verbringt, das ein reines Herz hat, als einen gut aussehenden Mann von hinterhältiger Natur zu heiraten. In dem Augenblick, da sie diese Entscheidung trifft, ist der böse Zauber gebrochen, und das Tier verwandelt sich in einen charmanten und edlen Prinzen.

Die Verwandlung eines hässlichen und abschreckenden Aspekts der menschlichen Natur in etwas Schönes und Edles finden wir auch in der weiblichen buddhistischen Tradition der Chöd Praxis, die in Kapitel 15 erwähnt wurde.

Tsultrim Allione nennt es das ‘Füttern der Dämonen’. Die Übung besteht darin, dass man einen ‘inneren Dämon’ identifiziert und ihn mit der eigenen Lebensenergie nährt. Sobald die Bedürfnisse eines inneren Dämons erfüllt sind, verwandelt sich das feindselige Geschöpf spontan in einen Verbündeten.

Die Ergebnisse einer solchen Transformation sind sofort spürbar und die Wirkungen dauern ‘ewig’. Dies erinnert an den Schlusssatz vieler Märchen: ‘und sie lebten glücklich bis an ihr Ende’.

“Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass Chöd nicht praktiziert wird, um ‘das zu bekommen, was man will’.”, betont Tsultrim Allione. “Bei der Chöd Übung geht es eigentlich um das Gegenteil, das loszulassen, woran man sich klammert.”

An diesem Punkt hapert es oft. Wir denken in Begriffen von Schädigung und Entschädigung. Wir versuchen, für einen wahrgenommenen Mangel zu kompensieren, indem wir unser ‘Potential erfüllen’; wir hoffen, unsere Irrtümer, Fehler und alles ‘Schlechte’, das wir in der Vergangenheit getan haben, durch ‘gute Taten’ ungeschehen zu machen. In dieser Wahrnehmung sind unsere guten und schlechten Aspekte voneinander getrennt.

“All unser Leiden entspringt einem Geist, der sich an sich selbst klammert,” sagt Tsultrim Allione. Unser persönliches Trauma-Erlebnis hat die Tendenz, sich an uns zu klammern, doch nur solange wir uns weigern, es anzunehmen. Sobald wir dem inneren Biest mit freundlicher Gesinnung und offenem Herzen begegnen, kann der Umwandlungsprozess beginnen.

 

“Wie er dieses Leid trägt, darin liegt die einmalige Möglichkeit zu einer einzigartigen Leistung.”Viktor Frankl

Das Biest siedelt sich in demselben Moment in unserem Bewusstsein an, in dem wir in das Leben eintreten. Es scheint unvermeidlich. In Kapitel 12 haben wir von Franz Renggli gelernt, dass Eltern das eigene unerlöste Trauma an ihre Kinder vererben können.

Wir alle erleben bei der Geburt einen gewissen Grad von Trauma, denn der Eintritt ins Leben geht an die Grenzen dessen, was der Mensch gelassen bewältigen kann. Es ist intensiv, überwältigend und oft von Angst begleitet.

Wenn sich traumatische Erlebnisse nicht integrieren lassen, dann bleiben sie zur späteren Verarbeitung im Bewusstsein haften. Sie verschwinden nicht, ganz gleich wie viele wunderbare Erlebnisse folgen, um ‘für den Schock zu kompensieren’.

Die Trauma-Information bleibt in der Erinnerung des Einzelmenschen, und sie lässt sich sogar auf die nächste Generation übertragen. Diese Beobachtung legt nahe, dass traumatische Erlebnisse in der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins eine wichtige Rolle spielen.

In der gegenwärtigen Psychologie ist Trauma ein relativ neues Forschungsgebiet, doch das Thema hat schon immer im Zentrum menschlichen Interesses gestanden.

Traumatische Erlebnisse sind schwere Verletzungen der menschlichen Psyche. Sie haben schädliche Wirkungen auf den körperlichen Organismus und das ganze Leben. Manche Menschen erholen sich nie von einem Trauma.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass Therapeuten sich zunächst auf Schadenbegrenzung und Linderung der Auswirkungen von Trauma konzentrierten. Gleichzeitig jedoch blieb es den Trauma-Spezialisten nicht  verborgen, dass das Erlebnis von Trauma — unter bestimmten Bedingungen und in manchen Menschen — spontan zu positiven Veränderungen führen kann.

Die Person, die das Trauma durchgemacht hatte, gewinnt aus dem Erlebnis Kraft, Weisheit und Zuversichtlichkeit. Dieses Phänomen wird heute als ‘posttraumatisches Wachstum’ bezeichnet.

Posttraumatisches Wachstum ist definiert als größere Widerstandskraft, Zufriedenheit und Wertschätzung des Lebens, die Menschen entwickeln, nachdem sie ein Trauma erlebt und verarbeitet haben. Beispiele für dieses Phänomen sind uns in vielen Geschichten in früheren Kapiteln dieses Buches begegnet, z. B. Anita Moorjani, Dan Caro, Kris Carr und Dominic Polonski.

Heutige Trauma-Therapeuten  haben dieses zentrale Thema wiederentdeckt, das in vielen Märchen, Mythen und Legenden beschrieben wird. Es ist die uralte Geschichte davon, wie heroische Menschen geboren werden.

Viktor Frankl, ein Psychologe, der selbst schweres Trauma erlebt hat, schreibt in seinem Buch Trotzdem Ja zum Leben sagen: “Sofern nun das konkrete Schicksal dem Menschen ein Leid auferlegt, wird er auch in diesem Leid … eine ganz einmalige Aufgabe sehen müssen. Der Mensch muß sich auch dem Leid gegenüber zu dem Bewußtsein durchringen, daß er mit diesem leidvollen Schicksal sozusagen im ganzen Kosmos einmalig und einzigartig dasteht. Niemand kann es ihm abnehmen, niemand kann an seiner Stelle dieses Leid durchleiden. Darin aber, wie er selbst, der von diesem Schicksal Betroffene, dieses Leid trägt, darin liegt auch die einmalige Möglichkeit zu einer einzigartigen Leistung.”

 

“Bei Trauma geht es um den Verlust der Verbindung — zu uns selbst, zum eigenen Körper, zur eigenen Familie, zu anderen und zu der Welt, die uns umgibt.”Peter Levine

Es gibt auch so etwas wie ‘posttraumatische Überempfindlichkeit’. Das Erlebnis von Trauma scheint uns anzuhaften wie ein übler Geruch. Immer wenn wir mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert sind — einem Erlebnis, das etwas überwältigend erscheint und uns an den Rand dessen drängt, was wir bequem erledigen können — dann wird die Erinnerung an die ursprüngliche Wunde geweckt.

Das macht total Sinn, wenn man bedenkt, dass ein negatives Erlebnis oft die potentielle Geburt eines neuen Aspektes von einem selbst signalisiert.  Die alte Wunde bricht auf, und wir haben die Gelegenheit, wieder in den Geburtskanal einzutauchen.

Es fühlt sich an, als würde ein schlafendes Biest seinen hässlichen, abschreckenden Kopf heben. Wenn du bereits öfters versucht hast, das Monster zu töten, dann sieht es vielleicht so aus, als ob sich eine ‘vielköpfige Hydra’ erneut zeigt, unerbittlich und feindselig.

Doch es ist bloß dein persönliches inneres Biest, das darauf hofft, von seinem Bann erlöst zu werden. Es will weder abschreckend noch hässlich sein. Es wartet darauf, verwandelt zu werden, und deine innere Schöne ist die Einzige, die das tun kann.

Trauma ist nicht nur notorisch schwierig zu behandeln, es ist auch nicht immer einfach zu erkennen. In seinem Buch Trauma Heilen schreibt Peter Levine: “Ich werde oft gebeten, Trauma zu definieren. Nach dreißig Jahren ist dies nach wie vor eine Herausforderung. Was ich weiß, ist dass wir traumarisiert werden, wenn unsere Fähigkeit, auf eine wahrgenommene Bedrohung zu reagieren, irgendwie überwältigt wird. Diese Unfähigkeit, angemessen zu reagieren kann sich auf vielerlei Arten auswirken, manche sind offensichtlich, andere sind subtiler.”

Weil unsere traumatischen Erlebnisse, unser persönliches schlummerndes Potential und unser Leiden einzigartig sind, müssen wir diesen Themen etwas Zeit und Energie widmen, um sie im eigenen Leben aufzuspüren. Dies ist eine unserer größten Herausforderungen.

“Viele, wenn nicht sogar die meisten von uns, die von einer Reihe weniger dramatischer Ereignisse überwältigt wurden, haben Reaktionen, die nicht ganz offensichtlich sind,” sagt Peter Levine. Hier bietet er eine der besten Zusammenfassungen der Auswirkungen von Trauma, die ich finden konnte:

“Bei Trauma geht es um den Verlust der Verbindung — zu uns selbst, zum eigenen Körper, zur eigenen Familie, zu anderen und zu der Welt, die uns umgibt. …Dies sind die verborgenen Auswirkungen von Trauma, diejenigen, die wir meist für uns behalten. Wir spüren vielleicht einfach, dass sich etwas nicht ganz richtig anfühlt, ohne uns jemals völlig bewusst zu werden, was sich eigentlich abspielt; und zwar, die allmähliche Unterwanderung unseres Selbstwertgefühls, Selbstbewusstseins, Wohlbefindens und der Verbindung mit dem Leben. Unsere Wahlmöglichkeiten verringern sich zunehmend, da wir bestimmte Gefühle, Personen, Situationen und Orte vermeiden. Aus dieser allmählichen Freiheitsbeschränkung ergibt sich, dass unsere Vitalität nachlässt und das Potential zur Erfüllung unserer Träume abnimmt.”

 

“Oh mein Liebling, und wenn du fliegst?”Erin Hanson

Jede Begegnung mit dem inneren Biest ist überwältigend. Wir können in Panik geraten und als zitterndes, entsetztes, hilfloses Häuflein zusammenbrechen. In einem solchen Zustand wird die innere Schöne oft vergessen.

Die ‘makellose Jungfrau’, die im Märchen in der Figur der Schönen dargestellt wird, hat die Eigenschaft der ‘Ganzherzigkeit’, die im letzten Kapitel erwähnt wurde. Hier können wir üben, diese Eigenschaft zu fördern. Dabei ist zu bedenken, dass es anscheinend einfacher ist, diese wünschenswerte Eigenschaft — paradoxerweise — in Gegenwart von Schwierigkeiten und Gefahren zu entwickeln.

Der Weg der Kristalle ist zur biosophischen Praxis im Umgang mit alltäglichen Herausforderungen bestimmt. Diese stehen im Zusammenhang mit den ‘verborgenen Auswirkungen von Trauma’, von denen Peter Levine spricht.

Der Weg der Kristalle ist eine Einladung, einem Ereignis zu begegnen, das abschreckend und überwältigend ist. Während wir uns dem ‘Biest’ in kleinen sicheren Schritten nähern, können wir die Geschichte identifizieren, die wir uns in unserem eigenen Kopf zurechtlegen. Diese ist immer mit dem Erzählstoff des alten Traumas verknüpft.

Durch Liebenswürdigkeit, Geduld, Verständnis und schließlich die verbindliche Einwilligung ‘das Biest zu heiraten’ können wir es, und uns selbst, von dem Bann erlösen. Zum Lohn dafür gewinnen wir mehr Mut, Zufriedenheit, Selbstvertrauen und inneren Frieden als neue Lebensgefährten.

Der Weg der Kristalle ist vom Bewusstseinsorgan der Inspiration beherrscht, und er regt die Selbstentdeckung an.

Wenn wir einer Herausforderung im Geist eines heldenhaften Abenteuers begegnen, dann ist es einfacher, die spontane überwältigende Trauma-Reaktion zu beherrschen. Dann kann man mit einer neuen Einstellung auf das innere ‘Biest’ zugehen.

Der Weg der Kristalle eignet sich zum Umgang mit alltäglichen Herausforderungen — im machbaren Rahmen. Er ist besonders dann indiziert, wenn du den Drang spürst, dir eine neue Fähigkeit anzueignen, neues Gelände zu erforschen, einen mutigen Schritt ins Ungewisse zu wagen, doch gleichzeitig hast du Angst, dich darauf einzulassen. Die Angst hält dich zurück, oder du erkennst vielleicht alte Trauma-Muster,  die geweckt werden und dich verschließen, bevor du überhaupt begonnen hast.

Der Weg der Kristalle hilft Aspekte aufzuzeigen, die — in Verbindung mit einer bestimmten Herausforderung — sozusagen im ‘geburtsfähigen Zustand’ sind. Er ermutigt uns dazu, die Szenenfolge des persönlichen Traumas zu identifizieren, der Angst zuzuhören und eine neue Strategie zum Umgang mit unbekannten Situationen zu entwickeln. All diese Schritte führen zur Erlösung von dem inneren Bann.

Überblick über den Weg der Kristalle

Der Weg der Kristalle eignet sich für jede Art von HERAUSFORDERUNG. Vor Antritt dieses Weges musst du die Schwierigkeit identifizieren, mit der du dich auseinandersetzen willst. Schreib sie auf.

Dieser Prozess basiert auf der Abfolge der mythologischen Heldenreise, und die Herausforderung ist dein persönlicher ‘Ruf zum Abenteuer’.

1. Kristall — Inspiration — Eigenschaften

Der Weg der Kristalle beginnt damit, dass du dir die Rolle ansiehst, die du erfüllen musst, um diese Herausforderung zu bewältigen. Überlege dir welche Eigenschaften eine Person haben müsste, um diese Aufgabe zuversichtlich in Angriff zu nehmen. Die Herausforderung ist ein Aufruf dazu, diese Eigenschaften in dir selbst zu gebären.

Wer muss ich werden, um dieser Herausforderung begegnen und gelassen damit umgehen zu können?

Welche Eigenschaften hat ein Mensch, der diese Herausforderung bequem bewältigen kann?

2. Kristall — Intuition — Zweifel

Da du diese Eigenschaften noch nicht entwickelt hast, wirst du daran zweifeln, dass du diese Herausforderung bewältigen kannst.

Was sind meine Zweifel?

3. Kristall — Imagination — Erzählstoff

Jede Herausforderung lädt dazu ein, neues unbekanntes Gelände zu betreten, und jeder Mensch hat eine persönliche Geschichte, die ausgelöst wird, wenn man ins Ungewisse tritt. Der Erzählstoff dieser Geschichte ist mit dem Geburtstrauma verbunden. Er zeigt sich, wenn ein Aspekt von uns selbst geboren werden will.

Was ist der Erzählstoff meiner Geschichte?

Was könnte meiner Vorstellung nach geschehen?

4. Kristall — Instinkt — Ängste

Wenn man ins Ungewisse tritt, werden unwillkürlich Ängste ausgelöst. Dies ist ein Beispiel für die ‘einleitenden Impulse’ der Stoiker (siehe Kapitel 20).

Was sind meine Ängste?

5. Kristall — Intellekt — Strategien

Jeder Mensch hat seine eigenen Überlebensstrategien, die in Aktion treten, wenn wir uns bedroht fühlen. Beim 5. Schritt auf dem Weg der Kristalle hast du Gelegenheit, die Strategien zu betrachten, die dir für den Umgang mit einer Herausforderung zur Verfügung stehen.

A — Was ist meine gewohnte Strategie zur Bewältigung einer Herausforderung?

Eine alternative Strategie ist es, sich auf die Entwicklung der Eigenschaften zu konzentrieren, die du beim ersten Schritt identifiziert hast.

B — In welchen Situationen habe ich bereits die Eigenschaften, die ich brauche, um diese Herausforderung bequem bewältigen zu können?

Wie kann ich diese Eigenschaften weiter entwickeln?

6. Kristall — Leib — Prüfungen

Die Herausforderung, die dich auf den Weg der Kristalle geführt hat, ist eine Prüfung. Sobald du dich auf diesen Prozess einlässt, erklärst du dein Einverständnis, deiner Herausforderung konstruktiv zu begegnen.

Mit der Wahl einer neuen Strategie (Strategie B), zeigst du, dass du bereit bist, die Eigenschaften zu entwickeln, die du brauchst, um dein Potential zu aktivieren und ein erfüllteres Leben zu führen. Als Rückmeldung auf diese Entscheidung reagiert das Leben mit weiteren Prüfungen.

Halte Ausschau nach der nächsten Herausforderung!

(Vergiss nicht, dass die Schritte auf diesem Weg Heilimpulse sind. Mit der Annahme dieser Herausforderung signalisierst du, dass du gewillt bist zu wachsen und dich den nächsten Prüfungen zu stellen.)

7. Kristall — Wille — Schätze

Das innere Biest ist der Hüter der inneren Schätze. Der Schatz, der in dieser Herausforderung verborgen ist, kann eine Einsicht sein, ein tieferes Verständnis, eine neue Erkenntnis, ein frisches Bild von dir selbst und deinem Leben.

Welche Schätze erhalte ich durch diese Herausforderung und auf diesem Weg?

8. Kristall — Seele — Feier

Der Weg der Kristalle ist eine ‘Mini-Heldenreise’. Beim letzten Schritt musst du deine Gaben nach Hause bringen. Die Schätze wollen gewürdigt und geschätzt werden. D.h. jetzt musst du der inneren Schönen etwas Aufmerksamkeit schenken und sie nähren.

Der letzte Schritt auf diesem Weg ist die Feier deines Lebens, deiner Fähigkeit einer persönlichen Herausforderung auf kreative und konstruktive Art zu begegnen.

Was kann ich heute tun, um die Schätze zu feiern, die ich erhalten habe?

Bei der Begegnung mit einer Herausforderung können wir zunächst nur die überwältigende Aufgabe sehen, die sich uns in den Weg stellt. Die Erinnerung an ein altes Trauma wird wachgerufen, und aus der Perspektive fühlen wir uns klein und schwach. Doch eine Herausforderung ist nur groß und abschreckend im Verhältnis zur Wahrnehmung der eigenen  Kleinheit und Schwäche.

Auf dem Weg der Kristalle bist du aufgefordert, von der Herausforderung Abstand zu nehmen und sie aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Du wirst entdecken, dass jenseits der angenommenen Beschränkungen, die sich dir in den Weg stellen, eine neue Freiheit auf dich wartet.

Eine Freiheit wartet auf dich,
Auf den Brisen des Himmels,
Du fragst, “und wenn ich falle?”
Oh mein Liebling,
Und wenn du fliegst?

Gedicht von Erin Hanson

Wie alle Prozesse des Solo Systems dient der Weg der Kristalle dazu, biosophische Prinzipien zu üben. Eine Herausforderung wird nicht einfach ‘verschwinden’, wenn man diese Übung einmal macht. Dieser Weg gibt entscheidende Heilimpulse für das Wachstum spezifischer Eigenschaften, die sich entwickeln müssen, um einzigartige persönliche Herausforderungen bewältigen zu können.

 

© Veronika Bond, 2017

Dieser Artikel ist ein Entwurf des 21. Kapitels des Buches Der Horizont, Band 2 des Solosystems.

Zur Ergänzung gibt es einen e-Letter mit zusätzlichen Informationen zum Buch und dem kreativen Prozess, der dahintersteckt.

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Anregungen für inneres Wachstum - der Freitagsbrief

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